Pfalzwiesen, das Pfälzisch-Bayerische Wein- und Bierfest in Frankenthal

Die Wiesn in München, das größte Volksfest der Welt

Was verbindet Menschen mehr, als gemeinsam zu feiern? Wenn wir uns zuprosten, zur Musik mitsingen und auf den Bänken tanzen, ist das Leben ein riesiges Fest. Das war schon immer so. Volksfeste gehören hierzulande zur Tradition, die niemand in Frage stellt.

Das größte aller Feste findet alljährlich in München statt: Das Oktoberfest, die Wiesn, auch liebevoll fünfte Jahreszeit genannt. Sie hat sich von einem Pferderennen zu einem Megaevent entwickelt. Hier stellen wir Ihnen die Geschichte vor.

  1. Das erste Oktoberfest:
    Pferderennen für das königliche Brautpaar

Die Hochzeitsfeier:
Ein Fest für ganz München

Das erste Oktoberfest war der krönende Abschluss der fünf Tage langen Hochzeitsfeier des bayerischen Kronprinzen Ludwig mit Therese Charlotte Luise Friederike Amalie von Sachsen-Hildburghausen. Die Feiern hatten am 12. Oktober begonnen, nachdem sich das Brautpaar in der Hofkapelle der Residenz das Ja-Wort gegeben hatte. Am Abend darauf fand die große, öffentliche Feier statt. Sechs Wochen lang hatten die Münchner ihre Stadt dafür geschmückt, mit beleuchteten Schriftzügen, Tempeln, Sälen und Gemälden. Die Münchner versammelten sich in der Innenstadt, in der Tische und Bänke aufgestellt wurden.

Diese Speisen und Getränke hielten die Feiernden bei Kräften:

  • 232 Hektoliter Bier
  • 4 Hektoliter Wein
  • 32065 Semmeln
  • 3992 Pfund Schweizer Käse
  • 80 Zentner gebratenes Schaffleisch
  • 8120 Cervelatwürste
  • 13300 Paar geselchte Würstl

Andreas Dall'Armi

Andreas Dall'Armi

Das Pferderennen:
Idee eines italienischen Majors

Der italienische Major und begüterte Bankier Andreas Dall’Armi hatte König Max I. Josef vorgeschlagen, ein Pferderennen für die Hochzeit zu organisieren. Kronprinz Ludwig war sofort begeistert von der Idee: "Volkfeste freuen mich besonders. Sie sprechen National-Charakter aus, der sich auf Kinder und Kindes-Kinder vererbt." Pferderennen hatten damals Volksfestcharakter in München. Seit 1448 wurde das Scharlachrennen vor dem Karlstor abgehalten, ein Teil der Jakobidult. Es wurde 1786 abgeschafft, da der Stadtmagistrat Scheibenschießen bevorzugte. Viele Münchner erinnerten sich jedoch noch an das beliebte Rennen. Der Sieger bekam ein scharlachrotes Tuch, während der Verlierer ein Schwein, die sprichwörtliche Rennsau, nach Hause brachte.

Andreas Dall'Armi

Das erste Oktoberfest: 40.000 Zuschauer

Das Pferderennen für die königliche Hochzeit fand auf der Wiese am Fuß der Sendlinger Anhöhe statt. Rund 40.000 Menschen hatten sich dort versammelt. Sogenannte Traiteurs schenkten dort Bier und Wein aus. Für das Königspaar hatte man ein türkisches Audienzzelt aufgestellt, eine Kriegsbeute von Kurfürst Max Emanuel. 16 Kinderpaar in Tracht begrüßten das Königspaar. Anschließend umrundeten 30 Pferde die 3.370 Meter lange Rennbahn dreimal. Der Gewinner, Nationalgardist Franz Baumgartner, bekam eine Goldmedaille. Weil das Fest ein so großer Erfolg war, bat König Max I. Joseph noch während der Feier, den Platz in Theresienwiese umzubenennen.

Historisches Pferderennen
Historisches Pferderennen

  1. Die Oktoberfeste bürgern sich ein

Nach der ersten Wiesn war klar, dass dies ein jährliches Fest der Münchner werden sollte. In den nächsten beiden Jahren organisierte der ‚Landwirschaftliche Verein in Bayern’ das Oktoberfest. Neben dem Rennen ging es dabei darum, neue Landwirtschaftstechniken und Maschinen zu präsentieren. 1819 übernahm die Münchner Stadtverwaltung die Organisation. Dabei ist es bis heute geblieben. Bis zum ersten Weltkrieg blieb das Pferderennen die Hauptattraktion der Wiesn.

Besonders tat sich dabei der Landshuter Franz Xaver Krenkl hervor, dessen Pferde über 50 Mal siegten. Zusätzlich zum Rennen amüsierte sich das Publikum mit Fahrgeschäften und kulinarischen Genüssen. 1818 stellte Anton Gruber die ersten Schaukeln und Karussells auf. Bier und Wein bekam man an offenen Ständen. Mit der Zeit wurden für den Ausschank einfache Bretterbuden aufgestellt. In diesem Jahrhundert verhinderten Kriege und Choleraepidemien mehrmals das Oktoberfest, doch die Tradition überlebte.

  1. Die Bavaria – "Schutzheilige" der Wiesn

Als König gestaltete Ludwig I. die Sendlinger Anhöhe neu. Er gab den Bau der Ruhmeshalle und der riesigen Bavaria-Statue in Auftrag, die heute über dem Festgelände thront. Der Künstler Ludwig Schwanthaler schuf diese 18 Meter hohe Figur aus gegossener Bronze. Die Bavaria symbolisiert den bayerischen Freistaat, noch heute der größte Staat der Bundesrepublik Deutschland. Als die Bavaria eingeweiht wurde, gehörte auch die Pfalz zu Bayern. Das Geschlecht der Wittelsbacher hatte mit Unterbrechungen bereits 600 Jahre lang in der Pfalz und in Bayern geherrscht. Nach den Niederlagen Napoleons ordnete der Wiener Kongreß die europäischen Staaten neu. In Wien wurde 1816 beschlossen, Pfalz mit Bayern zu vereinen. Bis 1946 blieb die Pfalz ein Teil Bayerns, ein Umstand, der beide Länder bereicherte. So ist beispielsweise der Leberkäse ein Import aus der Pfalz, nicht zu vergessen der in Bayern beliebte Pfälzer Wein.

Die Bavaria

  1. Von Bretterbuden zu Bierzelten

Von Anfang an genossen die Wiesnbesucher in München nicht nur Bier, sondern auch Wein, besonders gerne Pfälzer Wein. Die einfachen Bretterbuden aus Holz waren jedoch anfällig für Brände und fingen regelmäßig Feuer. So ging am 27. September 1887 die Pfälzer Weinbude in Flammen auf, weil eine umgefallene Petroleumlampe Feuer gefangen hatte. Der Weinwirt Julius Frey kam dabei ums Leben. Das Feuer griff schnell auf fünf weitere Buden über. In diesem wichtigen Augenblick versagten die Kirchturmglocken in Sendling. Dennoch erreichte die Feuerwehr mit 41 Mann schnell den Brandort und löschte die Flammen. Glücklicherweise kamen keine Gäste zu Schaden. In den damaligen Buden, auch Bodegas genannt, fanden maximal 50 bis 100 Leute Platz.

Bodega

Kulinarische Genüsse und Musik

Damit das Oktoberfest sich nicht auf Vergnügen in Bretterbuden beschränkte, verlegte der Münchner Magistrat den Termin des Oktoberfestes im Jahr 1872 in den September. Das verbesserte die Chancen, trockenen Fußes über die Wiesn zu den Fahrgeschäften und Buden zu kommen. Zu dieser Zeit hatten die Wirte bereits seit langem an wetterunabhängige Belustigung ihrer Gäste. In vielen Buden gab es Tanzflächen und sogar Kegelbahnen. Mit der Zeit weitete sich auch das kulinarische Angebot aus. 1881 eröffnete die erste Hendlbraterei auf der Wiesn. Im gleichen Jahr brachte Johann Rössler eine dampfgetriebene Ochsenbraterei auf das Gelände. Die Ochsenbraterei gehört heute noch zu den Attraktionen der Wiesn.

Strom: Auftrieb für die Wiesn

Die beginnende Elektrifizierung wirkte sich auch auf das Oktoberfest aus. 1886 erhielt die Wiesn eine Stromverbindung. Die Zeit aufregender Fahrgeschäfte und des bekannten Lichtermeers begann. 1896 eröffnete das erste Bierzelt heutiger Prägung seine Türen. Stararchitekt Gabriel von Seidl hatte für den Schottenhamel-Wirt eine prächtige Festhalle mit 1.500 Plätzen entworfen. Kurz darauf errichteten alle großen Brauereien Münchens große Festzelte, in denen richtige Musikkapellen spielten. Das größte Zelt, die Bräurosl mit 12.000 Plätzen, wurde anlässlich des 100. Jubiläums im Jahr 1910 eingeweiht. Ungebrochen ist bis heute der Rekord des Bierkonsums im Jubiläumsjahr. Die Besucher machten 12.000 Hektoliter Bier nieder.

Postkarte Gruß von der Festwiese
Oktoberfest

  1. Neue Traditionen:
    Einzug der Wirte und Anstich

Mit der Zeit entwickelten sich neue Traditionen, manchmal auf kuriose Weise. Der heute traditionelle Einzug der Wiesenwirte begann als grober Unfug. Begonnen damit hatte Hans Steyrer. Als ihm der Stadtmagistrat die Lizenz für ein Bierzelt auf dem Oktoberfest bekam, freute er sich riesig. Mit sieben Zweispännern, beladen mit Kellnerinnen und Schankburschen, fuhr er von seinem Wirtshaus "Zum bayerischen Herkules" von Giesing zur Theresienwiese, allen voran eine zünftige Blaskapelle. Die Polizei stoppt den Umzug auf halbem Weg als groben Unfug und brummte ihm eine Geldstrafe auf. Davon ließ sich das rebellische Urgestein nicht entmutigen. Im kommenden Jahr wiederholte er den Umzug und erreichte das Festgelände.

Grober Unfug wird zur Tradition

Hans Steyrer

In den 30er Jahren erinnerten sich die Wirte an diesen Spaß und riefen den offiziellen Einzug der Wirte ins Leben. Noch heute beginnt das Oktoberfest mit dieser Tradition. Die Wirte bringen den Oberbürgermeister auf die Wiesn, der den offiziellen Bieranstich vollbringt. Der offizielle Bieranstich durch den Münchner Oberbürgermeister wird heute sogar im Fernsehen übertragen. Diese Tradition begann im Jahr 1950. SPD-Oberbürgermeister Thomas Wimmer benötigte beim ersten Mal 17 Schläge, der bisher schlechteste Anstich in der Geschichte der Wiesn. Absoluter Rekordhalter ist bis heute der SPD-Politiker Christian Ude. Er zapfte mehrmals mit zwei Schlägen an. Nur Oberbürgermeister Dieter Reiter (ebenfalls SPD) konnte ihm das gleichtun. Wenn das Werk vollbracht ist, verkündet der Oberbürgermeister: ‚O’zapt is.’ Dieser Spruch gilt mittlerweile weltweit als Slogan der Wiesn.

Einzug der Festwirte

  1. Die Wiesn heute:
    Volksfest der Superlative

Heute ist die Wiesn ein Fest, das jedes Jahr rund sechs Millionen Gäste aus der ganzen Welt anzieht. 16 große Zelte und viele kleinere Zelte stehen zur Auswahl. Neben Festbier gibt es Wein in Kufflers Weinzelt und in der edlen Wiesn-Schänke von Käfer. In fast allen Zelten spielt Musik. Das Angebot reicht von Partybands über Jazz bis zur volkstümlichen Blasmusik.

Tanzen auf den Bänken gehört in den Festzelten ebenso zur Tradition wie das Tragen von Tracht. Nicht nur Bayern, sondern Menschen aller Hautfarben und Nationalitäten, kleiden sich in Lederhosen und Dirndl. Dieser Trend ist auch bei den Pfalzwiesen zu beobachten. Viele Besucher werfen sich mit Dirndl und Trachtenjankern ganz traditionell in Schale.

Das moderne Oktoberfest in Zahlen

  • 42 Hektar Gelände auf der Theresienwiese
  • 545 zugelassene Betriebe
  • 143 Gastrobetriebe, davon 16 Großzelte und 22 mittlere Zelte
  • 151 Schaustellungen
  • 8.000 festangestellte Wiesn-Beschäftigte, 5.000 Saisonarbeiter
  • Rund 119.000 Plätze für Besucher
  • Größte Festhalle mit 9.991 Plätzen: Hofbräu
  • Kleinste Betriebe mit 60 Plätzen: Café Guglhupf und Café Schiebl
  • 1.400 kostenlose Toiletten
  • Bierausschank 2017: 7,5 Millionen Maß

Seit 2010: Die "Oide Wiesn", Ruhe im Trubel

Wer auf der Wiesn Unterbrechung vom Festzelt braucht, hat eine Riesenauswahl. Neben fünf Achterbahnen und fünf Autoskootern gibt es zwei Wildwasserbahnen, zwei Ruschbahnen und vier Geisterbahnen. Schlaghämmer sind ebenso beliebt wie Schieß- und Wurfbuden.

Angesichts des lautstarken Trubels wurde für die Jubiläumsfeier zum 200. Geburtstag die "Oide Wiesn" mit gemütlicher Stimmung eingeführt. Im Südteil der Theresienwiese finden Sie jetzt nostalgische Attraktionen, historische Fahrgeschäfte und ein Museumszelt.

Oktoberfest Musikanten
Oktoberfest Museumszelt